Konkrete Ziele und Forderungen

Die «IG für Missbrauchsbetroffene im kirchlichen Umfeld» (kurz IG-MikU) verfolgt konkrete Ziele, stellt Forderungen und hat Wünsche.

Verantwortung übernehmen

Die Kirche als Organisation muss (endlich) Verantwortung für die Missbrauchsfälle übernehmen und die Taten nicht einfach als persönliche Verfehlungen einzelner Mitarbeitenden darstellen. Die Kirche ist voll mitverantwortlich, sie wählt ihr Personal aus, sie bildet diese Personen aus, sie ist für den Personaleinsatz zuständig.

Verantwortung übernehmen, bedeutet, Entscheidungen treffen und bereit sein, die Konsequenzen, die sich daraus ergeben, zu tragen. Es geht also um weit mehr als nur um die Anerkennung des Leides der Betroffenen. Die Kirche muss auch für die Folgen des Missbrauchs die Verantwortung übernehmen.

Betreuung der Missbrauchsopfer

Missbrauchsbetroffene kämpfen ein Leben lang mit und gegen traumatischen Erlebnisse. Darum sind nach Erstgesprächen mit Personen des Bistums anschliessend nachhaltige und professionelle Betreuungsaktivitäten notwendig, wie z.B.

  • Periodische Rückfragen (z.B. jährlich, wie es geht, Frage nach weiteren Bedürfnissen)
  • Hinweise, Anleitungen und Unterstützung für das Niederschreiben der eigenen Geschichte
  • Hinweise auf Vernetzungsmöglichkeiten (z.B. Selbsthilfegruppen), u.v.a.m.

Wir finden es unredlich, wenn lauthals verkündet wird «das Wichtigste ist die Betreuung der Opfer» und dann anschliessend an Erstgespräche keine Kontakte mehr zu den Betroffenen stattfinden.

Unabhängige Studie der SBK

Bei der Medienkonferenz vom 05.12.2019 wurde von Bischof Gmür mitgeteilt, dass eine unab­hängige Studie zum Missbrauch von der SBK beschlossen wurde. Betroffene fragen zu Recht, warum erst jetzt?

Nach Zusicherung von Bischof Bonnemain (siehe Beobachter-Artikel vom 09.04.21) soll der Beginn der Studie (endlich) in diesem Sommer erfolgen. Wir erwarten deshalb:

  • Kenntnisnahme des formulierten Auftrages
  • Anhörung von Betroffenen und Einbringen von Fragestellungen
  • Periodische Zwischenberichte und Schlussbericht mit Massnahmenkatalog

Die «IG für Missbrauchsbetroffene im kirchlichen Umfeld» wird zusammen mit der Groupe SAPEC die Realisierung der zu treffenden Massnahmen genau im Auge behalten und wenn notwendig intervenieren.

Ausweitung der Tätigkeiten von CECAR auf die gesamte Schweiz

Die CECAR «Commission d’écoute, de conciliation, d’arbitrage et de réparation» (Anhörung, Schlichtung, Urteil, Wiedergutmachung) erbringt seit 2016 in der Westschweiz besonders wertvolle Dienstleistungen. Das Bedürfnis nach einer neutralen und unabhängigen Kommission ist auch in der Deutschschweiz erkennbar und absolut notwendig.
Darum wünschen wir uns, dass CECAR mit ihrer grossen Erfahrung und ihren bestehenden Kompetenzen ihr Angebot auch auf die Deutschschweiz ausgedehnt.
Prüfenswert ist auch, eine von der Kirche unabhängige Meldestelle für Betroffene pro Sprachregion einzurichten.

Suche nach weiteren Betroffenen

Wie der Fall der Kirchgemeinde Trimbach SO zeigt, sind nach der Veröffentlichung im Pfarrblatt vom 22.06.2019 (auch nach 50 Jahren) weitere acht Meldungen von Opfern, bzw. Angehörigen von verstorbenen Opfern, zum gleichen Täter eingegangen. Die Dunkelziffer ist extrem hoch, die bis heute gemeldeten Missbrauchsfälle bilden nur die Spitze des Eisberges.
Wir erwarten, dass Bistümer bzw. Kirchgemeinden verpflichtet werden, bei sexuellen Übergriffen (aktuelle und auch weit zurückliegende) proaktiv nach weiteren Betroffenen mittels zielführenden Massnahmen zu suchen.

Mitarbeit in der Präventionsarbeit

Einzelne Mitglieder der Selbsthilfegruppe können sich eine aktive Mitarbeit in der Präventionsarbeit vorstellen. Betroffene, die sich in einem fortgeschrittenen Stadium der Verarbeitung befinden, können entsprechende Kompetenzen einbringen, weil sie konkrete Geschichten und authentische Argumente kennen. Damit eine Bereitschaft dafür bei Betroffenen überhaupt entsteht, müssen verantwortliche Missbrauchsbeauftragte proaktiv auf Betroffene zugehen und vorerst über eine längere Zeit ein Vertrauensverhältnis aufbauen.

Missbrauchstäter aus kirchlichen Tätigkeiten verbannen

Es ist für betroffene Überlebende unverständlich, erneut verletzend und despektierlich, wenn Täter und Täterinnen, die nachweislich Missbrauch begangen haben, weiter im kirchlichen Dienst beschäftigt werden. Sexueller Missbrauch ist mehr als nur eine Sünde, es handelt sich um ein Verbrechen!

Arbeit der Selbsthilfegruppe unterstützen

Der Verein «IG-MikU» unterstützt die bestehende Selbsthilfegruppe moralisch und mit konkre­ten Massnahmen, wie z.B.

  • Finanzielle Abdeckung von Kosten, wie z.B. Raummieten, Webauftritt, Wegentschädigungen für Betroffene, Administration, Spesenentschädigung für beigezogene Fachpersonen
  • Bereitstellen und Ausleihe von Fachliteratur
  • Vermittlung von therapeutischen Fachpersonen und Institutionen
  • Mithilfe bei der Suche von Fachpersonen (z.B. bei Klärungen von rechtlichen Fragen), u.v.a.m.

Weitere Details zur Selbsthilfegruppe erfahren Sie unter: http://www.missbrauch-kirche.ch

Öffentlichkeitsarbeit und Wissensvermittlung

Der Verein «IG-MikU» will auch einen Beitrag bei der Aufklärung der allgemeinen Bevölkerung leisten, indem wir Faktenwissen zum Thema Missbrauch publizieren, wie z.B.

  • Mit welchen Traumata kämpfen Überlebende
  • Warum Missbrauchsopfer so lange nicht darüber sprechen können
  • Wie gelingt das Überwinden von Scham und Schuldgefühlen
  • Was ist Dissoziation, Merkmale und Folgen
  • Was bedeutet Anerkennung des Leidens
  • Statistische Zusammenstellungen und Tatortkarte der ganzen Schweiz
  • u.v.a.m.