Gehört werden,
verstanden werden,
Konsequenzen sehen.

Das wünschen sich Missbrauchsopfer. Wenn sie von ihren traumatischen Erfahrungen erzählen, wünschen sie sich empathische Zuhörerinnen und Zuhörer, die ihren Schilderungen glauben und sie dann unterstützen, wenn sie sich dafür einsetzen, dass solche Übergriffe nicht mehr passieren.

Für solche Ziele steht die «Interessengemeinschaft für Missbrauchsbetroffene im kirchlichen Umfeld» (kurz IG-MikU). In dieser Organisation stehen Betroffene und nicht direkt Betroffen gemeinsam dafür ein, dass Missbrauch im kirchlichen Umfeld – körperlicher oder seelischer Art – nicht totgeschwiegen wird. Dazu hat die IG-MikU ganz klare Forderungen an die Kirche.

 

Konkrete Ziele und Forderungen

Verantwortung übernehmen

Innerhalb der Kirche kam und kommt es immer wieder zu Übergriffen und Missbrauch. Es besteht die Tendenz, dies unter den Teppich zu kehren. Aber die Kirche als Organisation muss (endlich) Verantwortung für die Missbrauchsfälle übernehmen und die Taten nicht einfach als persönliche Verfehlungen einzelner Mitarbeitenden darstellen.

Verantwortung übernehmen, bedeutet, Entscheidungen treffen und bereit sein, die Konsequenzen, die sich daraus ergeben, zu tragen. Es geht also um weit mehr als nur um die Anerkennung des Leides der Betroffenen. Die Kirche muss auch für die Folgen des Missbrauchs die Verantwortung übernehmen.

Betreuung der Missbrauchsopfer

Missbrauchsbetroffene kämpfen ein Leben lang mit und gegen traumatischen Erlebnisse. Darum sind nach Erstgesprächen mit Personen des Bistums anschliessend nachhaltige und professionelle Betreuungsaktivitäten notwendig, wie z.B.

  • Periodische Rückfragen (Fragen nach weiteren Bedürfnissen)
  • Hinweise und Unterstützung für das Niederschreiben der eigenen Geschichte
  • Hinweise auf Vernetzungsmöglichkeiten (z.B. Selbsthilfegruppen), u.v.a.m.

Es ist unredlich, wenn lauthals verkündet wird, «das Wichtigste ist die Betreuung der Opfer» und dann nach Erstgesprächen keine Kontakte mehr zu den Betroffenen stattfinden und diese mit ihrem Leid allein gelassen werden.

Versprochene Studie endlich realisieren

Die Schweizer Bischofskonferenz hat 2019 entschieden, eine unabhängige Studie zur Aufarbeitung der sexuellen Übergriffe im kirchlichen Umfeld in Auftrag zu geben. Die Studie sollte im Herbst 2021 gestartet werden. Die IG-MikU wird zusammen mit der Groupe SAPEC aus der Westschweiz die Resultate der Studie genau anschauen und ein besonderes Augenmerk darauf richten, ob Massnahmen auch wirklich umgesetzt werden.

Missbrauchstäter aus kirchlichen Tätigkeiten verbannen

Eines ist für die IG-MikU bereits jetzt klar. Es ist für betroffene Überlebende unverständlich, erneut verletzend und despektierlich, wenn Täter und Täterinnen, die nachweislich Missbrauch begangen haben, weiter im kirchlichen Dienst beschäftigt werden. Sexueller Missbrauch ist mehr als nur eine Sünde, es handelt sich um ein Verbrechen! Da braucht es auch von der Kirche ein klares Bekenntnis.

Suche nach weiteren Betroffenen

Wie ein Fall in der Kirchgemeinde Trimbach zeigt, sind nach der Veröffentlichung im Pfarrblatt vom 22.06.2019 (auch nach 50 Jahren) weitere acht Meldungen von Opfern bzw. Angehörigen von verstorbenen Opfern zum gleichen Täter eingegangen. Die Dunkelziffer ist extrem hoch, die bis heute gemeldeten Missbrauchsfälle bilden nur die Spitze des Eisberges.
Wir erwarten, dass Bistümer bzw. Kirchgemeinden verpflichtet werden, bei sexuellen Übergriffen (aktuelle und auch weit zurückliegende) proaktiv nach weiteren Betroffenen mittels zielführenden Massnahmen zu suchen.

Arbeit der Selbsthilfegruppe unterstützen

Der Verein «IG-MikU» unterstützt die bestehende «Selbsthilfegruppe für Menschen, die in der Kindheit/Jugend sexuelle Gewalt erlebt haben» moralisch und mit konkreten Massnahmen, wie z.B.

  • Finanzielle Abdeckung von Kosten, wie z.B. Raummieten, Webauftritt, Wegentschädigungen und Administration
  • Bereitstellen und Ausleihe von Fachliteratur
  • Vermittlung von therapeutischen Fachpersonen und Institutionen

Weitere Details zur Selbsthilfegruppe erfahren Sie unter: http://www.missbrauch-kirche.ch

Mitarbeit in der Präventionsarbeit

Einzelne Mitglieder der Selbsthilfegruppe können sich eine aktive Mitarbeit in der Präventionsarbeit vorstellen. Betroffene, die sich in einem fortgeschrittenen Stadium der Verarbeitung befinden, können entsprechende Kompetenzen einbringen, weil sie konkrete Geschichten und authentische Argumente kennen.
Damit eine Bereitschaft dafür bei Betroffenen überhaupt entsteht, müssen verantwortliche Missbrauchsbeauftragte proaktiv auf Betroffene zugehen und vorerst über eine längere Zeit ein Vertrauensverhältnis aufbauen.

Öffentlichkeitsarbeit und Wissensvermittlung

Der Verein «IG-MikU» leistet einen Beitrag bei der Aufklärung der allgemeinen Bevölkerung, indem er Hintergrundwissen zum Thema Missbrauch publiziert, wie z.B.

  • Warum Opfer so lange nicht über ihren Missbrauch sprechen können?
  • Mit welchen Traumata kämpfen Überlebende?
  • Wie gelingt das Überwinden von Scham und Schuldgefühlen? u.v.a.m.
Für all diese Anliegen steht die IG-MikU ein. Sie können Ihre Solidarität mit den Betroffenen bekunden und unsere Arbeit unterstützen, indem Sie Mitglied der Interessengemeinschaft werden. Mitglieder können aktiv mittun oder sie werden periodisch über das aktuelle Geschehen und Aufarbeitungsfortschritte informiert. Herzlichen Dank für Ihr Interesse.